Schlagwort-Archiv: Anton

Anton 2025: Ein Überblick

Im Jahr 2025 haben wir in unserem Archivinformationssystem Anton zahlreiche neue Funktionen implementiert, Verbesserungen und technische Modernisierungen durchgeführt. Zum ersten Mal haben wir auch mit externen Entwicklern zusammengearbeitet, die sich schnell eingearbeitet haben und erheblichen Anteil an den Innovationen haben. Viele Features wurden von Kundinnen und Kunden ermöglicht, indem sie diese (mit-)finanziert haben. Besonders danken wir dem Konzernarchiv der Georg Fischer AG, dem Gosteli-Archiv, Murikultur, dem Staatsarchiv Zürich (inkl. den Gemeinden Opfikon, Dürnten und Lindau) sowie archivdaten.ch. Wir danken auch allen Kundinnen und Kunden, die mit Anregungen, Verbesserungsvorschlägen und Fehlermeldungen zur Weiterentwicklung von Anton beigetragen haben.

Wir fassen hier die wichtigsten Neuerungen zusammen:

Neues Zuhause für Anton in der Schweiz

ANTON wurde 2025 auf einen neuen, leistungsfähigeren Server mit Standort Schweiz migriert. Die Performance hat sich dadurch deutlich verbessert. Auch die Backup-Server sind erneuert worden, sodass sämtliche Daten nun sechsfach-redundant an drei Standorten in der Schweiz gespeichert sind. Sämtliche Daten auf den Backup-Servern sind zudem verschlüsselt.

Preservation Planning

Ein Schwerpunkt der Neuentwicklungen lag auf der digitalen Langzeitarchivierung. Hier hat Anton gänzlich neue Funktionen erhalten:

  • PRONOM-Identifikation: Dateiformate werden mittels Siegfried (oder FIDO) erkannt und mit der ID der PRONOM-Datenbank versehen. Diese Datenbank speichert Informationen zu Dateiformaten und deren Versionen und ist wesentlich feingranularer als eine Klassifikation der Dateien nach dem MIME-Type oder der Dateiendung. Die Datenbank wird von «The National Archives» (UK) unterhalten und gepflegt.
  • Preservation Dashboard: Ein neues Dashboard analysiert die Mediensammlung hinsichtlich Langzeitarchivierung. Es zeigt die Verteilung der MIME-Types und PRONOM-IDs, bewertet Dateiformate, identifiziert potenzielle Risiken und gibt Handlungsempfehlungen gemäss dem Digital Preservation Framework for Risk Assessment and Preservation Planning der NARA (National Archives and Records Administration der USA).
Screenshot Preservation Planning

Preservation Planning. Risiko und Handlungsempfehlung der NARA Matrix.

Für diese Funktionen haben wir zwei Open-Source-Pakete entwickelt:

Das soll auch die Strategie für die kommenden Jahre sein: Gut kapselbare Funktionen von Anton werden als Open Source Packages publiziert, so dass sie von anderen Projekten wiederverwendet werden können. Einzelne kleine Bibliotheken werden von Dritten bereits relativ breit verwendet:

Wir hoffen, dass auch weitere unserer Pakete nützlich für Dritte sein werden.

Medien und Galerie

Die Bildgalerie wurde zur vollwertigen Mediengalerie ausgebaut, die neben den Bildern auch PDF-Dokumente, Video- und Audio-Dateien anzeigt. Die Filtermöglichkeiten wurden erweitert: Die Filterung nach Bestand, Medientyp, Zeitraum und Stichwörtern ist als Facetten möglich. Bei der Darstellung ist der PDF-Viewer neu. Er übernimmt die Volltextsuche aus der Galerie und zeigt entsprechende Treffer an. Der Video-Viewer bindet auch die Inhaltsverzeichnisse der Filme/Videos ein. Die Filter und ihr Layout sind weitgehend konfigurierbar: Felder, Reihenfolge und Breite sind individuell über die Einstellungen anpassbar.

Screenshot Media Gallery

Die Mediengalerie des Konzernarchiv der Georg Fischer AG.

Suche

Für Select-Felder in der erweiterten Suche haben wir neu die Operatoren «IN» und «NOT IN» implementiert. Dies ist gleichbedeutend mit einer ODER-Verknüpfung für ein Feld: Z.B. kann nun gesucht werden, ob ein Datensatz den Objekttyp «Buch» oder «Akte» hat (Objekttyp IN Buch, Akte).

Screenshot Suche (IN)

Objekttypen z.B. können nun mit mehreren Werten gesucht werden.

Bei der Suche nach Akteurinnen und Akteuren, Orten und Keywords werden nun die Optionen auf diejenigen Entitäten eingeschränkt, die tatsächlich in diesem Suchfeld vorkommen können. Beim «Empfangsort» wird also die Optionsliste gefiltert und es werden nur noch alle möglichen «Empfangsorte», nicht alle «Orte» zur Auswahl angezeigt.

Weitere Felder sind in der erweiterten Suche hinzugekommen. So kann nun nach Schutzfrist und Freigabejahr gesucht werden und auch Erstellungs- und Änderungsdatum der Datensätze sind in der Erweiterten Suche verfügbar.

Für die Suche haben wir zudem im Hintergrund auch die Datenstruktur des Volltextes verändert. Die Texte der Medien werden nun separat gespeichert. So können beispielsweise bei einer Textsuche in der Mediengalerie nur noch die PDFs angezeigt werden, in denen der Suchtext wirklich vorkommt, nicht alle PDFs einer Verzeichnungseinheit.
Schliesslich haben wir auch hier ein neues Open Source Package veröffentlicht ottosmops/office2text, das die Texte aus Office-Dokumenten extrahiert.

Import und Export

  • Archiv-Upload: Im Edit-Formular können nun auch ZIP- und GZ-Archive importiert werden. Beim Upload kann gewählt werden, ob das Archiv als Datei gespeichert oder als Verzeichnisstruktur importiert werden soll.
  • Anton unterstützt nun den Import von SIPs (eCH-0160). Für komplexe Ordnerstrukturen, die in älteren Versionen der Ablieferungsschnittstelle (Version 1.0 und 1.1 bzw. /arelda/v4) nicht adäquat abgebildet werden, kann der Import der «physischen» Ordnerstruktur gewählt werden.
  • DIPs (Dissemination Information Packages) werden als Bags nach dem BagIt-Standard erstellt.
  • OAI-PMH: Für die EAD-Findbücher haben wir das in Bibliotheken sehr verbreitete Open Archives Initiative Protocols (OAI-PMH) implementiert. Damit können die Findbücher automatisch mit z.B. Archives Portal Europe synchronisiert werden.
Screenshot Archives Portal Europe (Gosteli-Archiv)

Die Findbuchdaten des Gosteli-Archivs werden per OAI-PMH mit Archives Portal Europe synchronisiert.

Exkurs

Der SIP-Import wird von den Gemeindearchiven Opfikon, Duernten und Lindau verwendet. Diese Installationen befinden sich im Netzwerk des Kantons Zürich. Das SIP wird dabei Anton übergeben. Dieser importiert die Metadaten in die Datenbank und erstellt Webversionen der Dateien. Die Originaldateien werden via Inge in DIMAG importiert und dort für die Langzeitarchivierung gespeichert. Die internen Anton-Datenbanken werden periodisch mit den öffentlichen Anton-Datenbanken im Internet synchronisiert, wobei die nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen und Dateien herausgefiltert werden.

Screenshot Stadtarchiv Opfikon

Das Stadtarchiv Opfikon verwendet den SIP-Import.

Benutzeroberfläche

  • Statistiken: Die Statistik-Tabellen wurden auf mehrere Seiten verteilt und neu implementiert und erweitert.
  • Kartenansicht aller Orte: Die Orte werden auf einer Karte dargestellt. Karte und Liste sind synchronisiert, d.h. mit Zoomen in die Karte verändert sich auch die Auswahl in der Liste (und umgekehrt).
Screenshot Orte

Die Kartenansicht im Konzernarchiv der Georg Fischer AG.

Bulk Actions: Verschieben

Dieses neue Feature ermöglich Mehrfachaktionen, d.h. mehrere Datensätze können für eine Aktion ausgewählt werden. Bisher wurde nur das Verschieben von mehreren Datensätzen gleichzeitig als Aktion eingerichtet. Weitere Aktionen sind möglich und werden nach Bedarf ergänzt werden.

Kleinere Verbesserungen

  • Der Sprachwechsler ist nun auch als Dropdown möglich (spart etwas Platz in der Navigationsleiste).
  • Der Bestellkorb ist nun auch in der Listenansicht verfügbar.
  • Wir haben zahlreiche Verbesserungen an der französischen und italienischen Version vorgenommen.
  • Für den den Ausdruck von Trefferlisten sind nun Views programmierbar.

Framework und Technologie

Eine grosser Baustelle von Anton war und ist das Frontend. Hier haben wir 2025 das technische Fundament von Anton grundlegend modernisiert (Bootstrap 5). Dabei mussten sämtliche Installationen überprüft und nachjustiert werden. Dieser Prozess ist, was das Frontend angeht, abgeschlossen. Das «Backend des Frontends» ist noch in der Werkstatt und soll 2026 veröffentlicht werden. Dann sollen alle Formulare und Datendarstellungen mit wiederverwendbaren Komponenten erfolgen. Ausserdem sollen dann auch sämtliche Textfelder lokalisiert, d.h. übersetzbar, sein.