eCH-0160 ist der Schweizer e-Government-Standard für die archivische Ablieferungsschnittstelle. Er definiert das Submission Information Package (SIP) — den Container, in dem digitale Unterlagen samt Metadaten von einer aktenproduzierenden Stelle an ein Archiv übergeben werden. Der Standard ist seit 2014 in Kraft, aktuell in der Version 1.3 (2024).

eCH-0160 setzt das OAIS-Modell (ISO 14721) für den Schweizer Kontext um. SIP, AIP (Archival Information Package) und DIP (Dissemination Information Package) sind dort die drei Container-Typen — eCH-0160 normiert das Übergabe-Stück.

Aufbau eines SIPs

Ein SIP ist ein Verzeichnis (typisch als ZIP gepackt), das einer festgelegten Struktur folgt:

SIP_2024-03-15_meinarchiv/
├── header/
│   └── metadata.xml        ← eCH-0160-konforme Metadaten
├── content/
│   ├── dossier_1/
│   │   └── dokument.pdf
│   └── dossier_2/
│       └── ...
└── xsd/                    ← optional: mitgelieferte Schema-Dateien

Zwei Hauptbereiche:

  • header/metadata.xml — die archivische Beschreibung des SIP-Inhalts: Provenienz, Aktenplan, Bewertung, Datei-Inventar, Hashwerte (SHA-256). Das Schema ist eine erweiterte Version des eCH-0039-Datenmodells.
  • content/ — die eigentlichen Dateien, hierarchisch in Ordnungssysteme, Dossiers, Dokumente und Dateien.

Hierarchische Verzeichnungsstufen

Innerhalb von metadata.xml werden die Inhalte nach archivischen Verzeichnungsstufen geordnet — kompatibel zu ISAD(G):

ElementStufe
<ordnungssystem>Aktenplan / Klassifikation
<ordnungssystemposition>Klasse / Position im Aktenplan
<dossier>Dossier (Geschäftsfall, Akte)
<dokument>einzelnes Dokument im Dossier
<datei>physische Datei (mit Hash, Format, Grösse)

Pflichtangaben pro Datei

Jede Datei im SIP ist im Header beschrieben durch:

  • <name> und <originalName> — Datei- und Ablagename
  • <pruefalgorithmus> und <pruefsumme> — meist SHA-256
  • <groesse> — in Byte
  • <dateiformat> mit PUID (PRONOM-Identifier, siehe PRONOM)

Diese Pflichtmetadaten sind die Basis für Format-Identifikation, Integritätsprüfung und Preservation-Planning im Archiv.

Validierung

Ein SIP muss durch das jeweilige Archiv akzeptiert werden — typische Prüfungen:

  • Schema-Validierung der metadata.xml gegen die eCH-0160-XSD
  • Hash-Verifikation aller Dateien gegen die im Header eingetragenen Prüfsummen
  • Format-Identifikation mit Siegfried oder FIDO und Abgleich mit dem PUID-Feld
  • Vollständigkeit: keine fehlenden / zusätzlichen Dateien
  • Eindeutigkeit: stabile Identifier auf allen Verzeichnungsstufen

Verwandte Standards

  • eCH-0002 — XML-Schema-Anforderungen.
  • eCH-0039 — Schnittstelle für Aktenführung und Archivierung (Datenmodell-Basis).
  • OAIS / ISO 14721 — übergreifendes Modell für die digitale Langzeit­archivierung.
  • BagIt — alternativer, internationaler Container (RFC 8493).
  • METS — alternatives Containerformat, vor allem im Bibliothekskontext.

Werkzeuge in der Praxis

  • Inge (siehe Inge-Projekt) — unsere Schnittstelle zwischen AIS und dem digitalen Magazin Dimag, die SIP-Pakete via Anton oder direkt aus dem AIS heraus überträgt.

Eine ausführliche Werkzeug- und Validator-Übersicht, Praxisbeispiele und aktuelle Hinweise zur eCH-0160-Umsetzung pflegt die KOST (Koordinationsstelle für die dauerhafte Archivierung elektronischer Unterlagen) — siehe Links.

Aus unserer Praxis

Für die programmatische Verarbeitung von SIPs nutzen wir das PHP-Paket sipper — ein Parser nach eCH-0160, der SIP-Strukturen einliest, validiert und ihre Metadaten als Objekte zugänglich macht. Siehe sipper in unseren Open-Source-Paketen.